
Heute ist Weltozontag – und die Bilanz fällt zwiespältig aus. Über der Antarktis wird das Ozonloch kleiner, die Schutzschicht erholt sich messbar. Über Mitteleuropa dagegen kommt mehr UV-Strahlung am Boden an als noch vor 25 Jahren. Wie das zusammenpasst und was daraus für den Sonnenschutz im Herbst folgt.
Das Ozonloch wird kleiner
Jedes Jahr im Südfrühling öffnet sich über der Antarktis das Ozonloch, meist zwischen August und November. 2025 fiel es klein aus: Nach Auswertungen von NASA und NOAA erreichte es am 9. September mit 22,86 Millionen Quadratkilometern seine größte Ausdehnung, im Mittel vom 7. September bis 13. Oktober waren es 18,71 Millionen Quadratkilometer – der fünftkleinste Wert seit 1992. Der tiefste Ozonwert lag am 6. Oktober bei 147 Dobson-Einheiten, am 1. Dezember löste sich das Loch auf, so früh wie zuletzt 2019. Die Weltorganisation für Meteorologie sieht darin den langfristigen Erholungstrend bestätigt. Die Saison 2026 läuft gerade, ihr Höhepunkt liegt im September und Oktober.
Warum die Erholung Jahrzehnte dauert
Der Grund für die Wende ist das Montreal-Protokoll, das heute vor 39 Jahren unterzeichnet wurde. Rund 99 Prozent der ozonabbauenden Stoffe sind nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie inzwischen ausgestuft, die Konzentration in der Stratosphäre liegt laut NASA etwa ein Drittel unter dem Höchststand um das Jahr 2000. Weil die Substanzen dort aber sehr langsam abgebaut werden, zieht sich die Genesung hin: Werte wie 1980 werden über der Antarktis erst um 2066 erwartet, über der Arktis um 2045 und im Rest der Welt um 2040. NASA-Forscher Paul Newman rechnet vor, dass das Loch 2025 deutlich größer ausgefallen wäre, läge noch so viel Chlor in der Stratosphäre wie vor 25 Jahren.
Mehr UV über Deutschland – trotz heiler Ozonschicht
Ausgerechnet bei uns geht die Entwicklung in die andere Richtung. Das Deutsche Krebsforschungszentrum meldete im April 2026, dass die monatliche UV-Strahlung in Dortmund zwischen 1997 und 2022 um mehr als zehn Prozent zugenommen hat, im Raum Brüssel um knapp 20 Prozent. Verantwortlich sind vor allem weniger Wolken und mehr Sonnenstunden; der Ozonabbau selbst spielt für Deutschland laut Bundesamt für Strahlenschutz eine eher untergeordnete Rolle. 2023 erkrankten hierzulande rund 27.500 Menschen an schwarzem Hautkrebs, über 3.100 starben daran. Bei uns bleibt es bis zum Wochenende wechselhaft mit Schauern und 18 bis 25 Grad – nach Kaltfronten ist die Luft aber klar, und im Hochgebirge lohnt Sonnenschutz auch jetzt noch.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.




