
Ein Sommertag nach dem anderen, bis zu 34,5 Grad am Oberrhein und Nächte wie im Juli: Die erste Hälfte des Septembers war in Deutschland außergewöhnlich warm. Der Monat liegt damit auf Kurs zum wärmsten September der Messreihe. Ab Donnerstag dreht der Wind jedoch auf West – und genau das macht den Ausgang wieder offen.
Vier Grad über dem Klimamittel
Nach vorläufigen Auswertungen liegt das Flächenmittel der ersten Monatshälfte bei gut 17 Grad. Das langjährige Septembermittel beträgt nach der DWD-Referenz 13,3 Grad für 1961 bis 1990 und 13,8 Grad für 1991 bis 2020 – die bisherige Bilanz liegt also rund vier Grad darüber. Höhepunkt war der 8. September: In Ohlsbach im Oberrheingraben wurden 34,5 Grad gemessen, und an zahlreichen Stationen im Süden war es laut DWD in einem September seit dem jeweiligen Messbeginn noch nie so warm wie an diesem Dienstag.
Ab Donnerstag übernimmt der Westwind
In der Nacht und am Mittwoch beendet eine Kaltfront die Wärme. Am Mittwochnachmittag ziehen im Südosten und Osten kräftige Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und kleinem Hagel durch, am Abend staut sich an den Alpen und in Südostbayern Regen mit 30 bis 40 Litern pro Quadratmeter in zwölf Stunden. Danach übernimmt eine westliche Strömung: Von Donnerstag bis Montag frischt der Wind an Nord- und Ostsee sowie in den Mittelgebirgen immer wieder stürmisch auf, die Höchstwerte gehen auf 18 bis 24 Grad zurück, die Nächte kühlen auf 12 bis 6 Grad ab.
Entscheidung fällt im letzten Monatsdrittel
Der wärmste September seit Messbeginn 1881 war nach DWD-Bilanz der September 2023 mit 17,2 Grad, davor lagen 2006 und 2016 mit je 16,9 Grad vorn; 2025 kam auf 14,5 Grad. Mit 18 bis 24 Grad bleibt auch die kommende Woche über dem jahreszeitlichen Mittel, kühl ist also anders – für die Bestmarke reicht das allein aber nicht. Setzt sich in der letzten Septemberwoche wie angedeutet erneut Hochdruck durch und wird es im Südwesten noch einmal spätsommerlich warm, bleibt der Rekord in Reichweite. Ein Platz unter den wärmsten Septembern ist dem Monat ohnehin sicher.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.







