
Der Dürresommer hat sie ausgebremst, das feuchte Schauerwetter holt sie zurück: Zecken haben in Deutschland jedes Jahr einen zweiten Aktivitätsgipfel im September und Oktober. Diesmal fällt er genau mit dem Umschwung auf milde, nasse Luft zusammen – und er trifft auf eine Karte mit 185 amtlichen Risikogebieten.
Warum die Feuchte den Ausschlag gibt
Der Gemeine Holzbock verträgt Hitze schlecht, weil trockene Luft ihm rasch Wasser entzieht. In den Hitze- und Dürrewochen des Sommers zog er sich deshalb in die feuchte Streu- und Bodenschicht zurück oder verschwand aus ganzen Flächen. Jetzt dreht sich das Vorzeichen: Schauer, Tau und hohe Luftfeuchtigkeit in Wald, Wiesen und Gärten sind für Zecken der entscheidende Faktor. Aktiv sind die Tiere schon ab etwa fünf bis sieben Grad – bei 18 bis 23 Grad am Tag und einstelligen Nächten liegen die Bedingungen deutlich darüber.
185 Risikogebiete und hohe Fallzahlen
Das Robert Koch-Institut führt seit Februar 2026 bundesweit 185 Landkreise und kreisfreie Städte als FSME-Risikogebiet, neu hinzugekommen sind der Landkreis Nordsachsen und die Stadt Halle an der Saale (Epidemiologisches Bulletin 9/2026). Für 2025 meldete das RKI 693 Erkrankungen, 2024 waren es 695 – der Median seit Beginn der Meldepflicht 2001 liegt bei rund 420 Fällen pro Jahr. Etwa 80 Prozent der Fälle entfallen auf Bayern und Baden-Württemberg, doch Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Berlin erreichten 2025 ihre bisher höchsten Werte.
Unsere Vorhersage: nass, windig, ab Sonntag kühler
Bis Freitag bleibt es wechselhaft bei 18 bis 23 Grad, an Nord- und Ostsee sowie im Bergland frischt der Westwind auf, dort sind stürmische Böen bis Windstärke 9 zu erwarten. Ab Sonntag fließt spürbar kühlere Luft ein, es bleibt schauerhaft, örtlich mit mehrstündigem Starkregen. Ein Saisonende ist das nicht: Die Parasitologin Ute Mackenstedt (Universität Hohenheim) und der Virologe Gerhard Dobler (Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr) betonen, dass Zecken in Deutschland inzwischen nahezu ganzjährig aktiv sind. Nach dem Aufenthalt im Grünen hilft vor allem eines: den Körper absuchen und die Zecke schnell entfernen.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.






