
Während der Regen an den Alpen niederprasselt und der Wind auffrischt, steuert 2026 auf einen Ausnahmewert zu: So viel Sonne wie in diesem Jahr scheint in Deutschland nur selten. Schon Mitte September ist das Soll eines kompletten Jahres erfüllt. Doch jetzt dreht die Wetterlage auf West - und genau das entscheidet darüber, ob am Ende ein Rekord steht.
Jahressoll schon Mitte September erfüllt
Der Deutsche Wetterdienst hat am Mittwoch eine erste Zwischenbilanz gezogen: Von Januar bis August kamen im bundesweiten Flächenmittel 1.592 Sonnenstunden zusammen, rund 22 Prozent mehr als im Mittel der Referenzperiode 1991 bis 2020. Bis zum 15. September standen bereits 1.681 Stunden zu Buche - mehr, als ein durchschnittliches Gesamtjahr mit 1.665 Stunden liefert. Bis auf den Februar fiel jeder einzelne Monat zu sonnig aus, besonders deutlich der März, der April und der Juli.
Warum die Sonne zulegt - und was das kostet
Der Trend ist kein Zufall: Acht der zehn sonnigsten Jahre seit 1951 wurden nach dem Jahr 2000 gemessen, nachdem die Phase zwischen 1975 und 1990 auffällig trüb verlaufen war. Neben der Häufung von Hochdrucklagen spielt das sogenannte Global Brightening eine Rolle - sauberere Luft mit weniger Schwebeteilchen lässt mehr Strahlung bis zum Boden durch. Profiteur ist die Solarbranche: Nach Auswertung des Fraunhofer ISE speisten deutsche Photovoltaikanlagen im ersten Halbjahr 2026 rund 43,2 Terawattstunden ein, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Die Kehrseite spüren die Böden, denn viel Sonne bedeutet auch hohe Verdunstung.
Jetzt bremst die Westlage
Ab sofort arbeitet das Wetter gegen die Bilanz. Am Donnerstag frischt der Wind an der Nordsee mit stürmischen Böen auf, der Freitag verläuft ruhiger, ab Samstag wird es an den Küsten und in den Mittelgebirgen wieder stürmisch. Am Sonntag erwarten wir Sturmböen aus West bis Nordwest und einzelne kräftige Gewitter, zum Wochenstart bleibt es windig mit längerem Regen am Alpenrand bei 16 bis 22 Grad. Zum Rekordjahr 2022 mit 2.024 Sonnenstunden fehlen gut 340 Stunden - mehr, als das letzte Jahresviertel im Mittel liefert. Ein Platz weit vorne in der Messreihe ist 2026 trotzdem sicher.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



