
Der Dürresommer hinterlässt auf den Kartoffeläckern deutliche Spuren. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts holen die Betriebe 2026 rund 10,4 Millionen Tonnen aus dem Boden, im Vorjahr waren es knapp 13,9 Millionen. Ab Donnerstag bringt eine Kaltfront endlich Regen, und der Boden wird wieder weicher. Für die Knollen kommt das Wasser allerdings zu spät.
Ein Viertel weniger als im Rekordjahr
Die Fallhöhe ist enorm: 2025 war mit knapp 13,9 Millionen Tonnen die größte Kartoffelernte seit 1990. Für 2026 erwartet das Statistische Bundesamt nur noch rund 10,4 Millionen Tonnen. Der Hektarertrag sinkt auf unter 40 Tonnen, das sind etwa 15 Prozent weniger als im Vorjahr. Zugleich haben die Betriebe ihre Anbaufläche um rund 11 Prozent auf 268.300 Hektar verkleinert. In Nordrhein-Westfalen rechnet das Landesamt mit rund 1,8 Millionen Tonnen, das wären 27,8 Prozent weniger als 2025. Die Kartoffel ist ein Flachwurzler und braucht in der Phase des Knollenansatzes gleichmäßig Wasser. Genau das fehlte in diesem Sommer über Wochen.
Kleine Knollen und harte Böden
Die Trockenheit hat nicht nur die Menge gedrückt. Der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie meldet, dass vor allem große Knollen für Pommes frites knapp werden. In den Handelsnotierungen sind bereits höhere Preise zu sehen. Auch das Roden war mühsam, denn in steinhart ausgetrockneter Erde entstehen beim Ernten leicht Kluten und Schäden an den Knollen. Die Bundesregierung hält die Versorgung dennoch für gesichert. Deutschland erzeugt normalerweise rund 45 Prozent mehr Kartoffeln, als im Inland verbraucht werden. Mittelfristig rechnet das Bundeslandwirtschaftsministerium deshalb mit stabilen Preisen.
Regen ab Donnerstag, aber kein Ersatz für den Sommer
Am Mittwoch wird es noch einmal 20 bis 27 Grad warm, am Abend ziehen im Westen erste Gewitter mit Starkregen auf. In der Nacht zum Donnerstag überquert eine Kaltfront das Land. Danach stürzen die Temperaturen auf 13 bis 19 Grad ab, an den Alpen fallen 30 bis 50 Liter pro Quadratmeter. Am Freitag bringt Tief GABRIELA dem Norden und Westen neuen Regen und stürmischen Südwestwind bei 12 bis 17 Grad. Am Wochenende folgen Schauer und Gewitter an der Küste. In den großen Anbaugebieten in Niedersachsen und NRW erwarten wir bis Montag 15 bis 40 Liter pro Quadratmeter, an der Nordsee auch mehr. Das erleichtert die letzten Rodearbeiten, zurückholen lassen sich die Knollen damit aber nicht.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



