
Auf den Kartoffeläckern zeigt sich der Dürresommer jetzt in Zahlen - und im Preis. Während Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern über 50 Tonnen je Hektar roden, bringen einzelne Schläge in Bayern nur drei. Bundesweit fehlen Millionen Tonnen, die Notierungen sind kräftig gestiegen. Und Regen ist bis in den Oktober kaum in Sicht.
Drei Tonnen im Süden, über 50 im Norden
Der Bundesverband der Deutschen Stärkekartoffelerzeuger sprach auf seiner Jahrestagung am 8. September in Hannover von allenfalls mittleren bis weit unterdurchschnittlichen Erträgen. Vorsitzender Hans-Wilhelm Giere nennt als Ursachen Hitze- und Trockenstress, fehlende Beregnung und deutlich reduzierte Knollenansätze. Die Spannweite der Rodeergebnisse ist enorm: Aus dem bayerischen Adelschlag wurden drei Tonnen je Hektar gemeldet, aus Hirschaid 3,5 und aus Thalmässing zwölf. Aus Lützow in Mecklenburg-Vorpommern kommen dagegen 53 bis 64 Tonnen, aus Edemissen in Niedersachsen 55.
Millionen Tonnen fehlen, die Preise ziehen an
Die Erzeugergemeinschaft NEPG beziffert den Durchschnittsertrag in Nordwesteuropa auf rund 40,5 Tonnen je Hektar, etwa 14 Prozent unter Vorjahr und Fünfjahresmittel, bei einer um 13,7 Prozent geschrumpften Fläche. Statt gut 27 Millionen Tonnen werden nur rund 20,7 Millionen erwartet. Die Energy and Climate Intelligence Unit rechnet gegenüber dem Fünfjahresmittel mit 3,11 Millionen Tonnen weniger, davon 1,13 Millionen allein in Deutschland. Speisekartoffeln kosteten zum Saisonstart 270 bis 280 Euro je Tonne nach rund 150 Euro im Vorjahr, Verarbeitungsware rund 240 Euro.
Trocken und mild bis in den Oktober
Am Donnerstag bleibt es im Norden windig, an der Nordsee und in Gipfellagen sind Sturmböen der Stärke 8, exponiert 9 dabei, dazu 17 bis 23 Grad, im Südwesten bis 26 Grad. Danach setzt sich ein Hoch durch: Nach zähem Frühnebel scheint viel Sonne, am Wochenende werden 20 bis 25 Grad erreicht, am Oberrhein 27 bis 28 Grad, in der kommenden Woche bleibt es ähnlich warm. Nennenswerten Landregen erwarten wir bis Anfang Oktober nicht. Für die Rodung ist das günstig, weil die Ware trocken vom Feld kommt. Die Böden bleiben aber hart, und die Wasserspeicher füllen sich erst im Winterhalbjahr.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.







