
In Baden-Württemberg fällt Fichten die Rinde ab, während die Krone noch grün ist – darunter wimmelt es von Buchdruckern. Nach dem zweitwärmsten Sommer seit 1881 fehlt den Bäumen das Wasser für die Harzabwehr. Und das milde Wetter der kommenden Tage verlängert die Käfersaison ausgerechnet dort, wo die Böden am trockensten sind.
Grüne Kronen, abfallende Rinde
Die Forstliche Versuchsanstalt Baden-Württemberg beschreibt das Muster drastisch: Fichten mit noch grüner Krone verlieren plötzlich ihre Rinde, darunter wimmelt es von Buchdruckern. Die Bäume seien auch ohne Käfer schwer gestresst, sagt FVA-Expertin Felicitas Sander – ohne Wasser kein Harzfluss, ohne Harzfluss keine Abwehr. Befallene Fichten sterben binnen weniger Wochen. Die erfasste Schadholzmenge liegt derzeit nur etwa halb so hoch wie im Vorjahr, was in die Irre führt: Frischer Befall taucht erst mit Verzögerung in der Statistik auf. 2018 sah es Mitte August ähnlich harmlos aus.
Dritte Generation bis 800 Meter
Entscheidend ist die Ausgangslage. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft meldete für 2025 drei Buchdrucker-Generationen und eine zweite Geschwisterbrut bis in 800 Meter Höhe, dazu Kupferstecher-Fangzahlen, wie sie zuletzt 2017 und 2019 erreicht wurden. Auch für dieses Jahr wird bis etwa 800 Meter eine dritte Generation erwartet. In Niederbayern lagen die Wochenfänge zuletzt im dreistelligen bis niedrig vierstelligen Bereich, in Rheinland-Pfalz meist nur ein- bis zweistellig, im Hunsrück dreistellig. Vielerorts färben sich jetzt die ersten Kronen rot.
Mildes Hoch, dann Wind und Schauer
Unser Wetter der Woche verschafft den Beständen kaum Luft. Heute bleibt es unter Hochdruck ruhig bei 22 bis 26 Grad, am Alpenrand klingt der Dauerregen mit 20 bis 40, in Staulagen rund 50 Litern pro Quadratmeter ab. Dienstag und Mittwoch ziehen im Nordwesten kräftige Gewitter mit Sturmböen und Hagel durch, ab Donnerstag wird es an Küsten und auf den Bergen stürmisch, die Höchstwerte sinken auf 17 bis 23 Grad. Am Oberrhein sind am Samstag wieder um 25 Grad drin – solange die Nachmittage über rund 16 Grad liegen, fliegen die Käfer. Und über 70 Prozent von ihnen überwintern unter der Rinde stehender Bäume.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.







