
Der Rhein schrumpft zur Rinne. Am Nadelöhr Kaub bei der Loreley standen am frühen Dienstagmorgen nur noch 24 Zentimeter – und das Ende Juli, Wochen vor der typischen Niedrigwasserzeit. In Köln fiel der Pegel am Samstag auf 67 Zentimeter und damit unter den bisherigen Rekord. Für Europas wichtigste Wasserstraße wird es eng.
Rekordmarken von 2018 fallen – Wochen zu früh
Am 31. Juli erreichte der Pegel Kaub 25 Zentimeter und damit genau das bisherige Rekord-Tagesmittel vom 22. Oktober 2018. Am Freitag zuvor waren es noch 55 Zentimeter gewesen. Das elektronische Wasserstraßen-Informationssystem ELWIS zeigte am Dienstag um 5 Uhr 24 Zentimeter mit fallender Tendenz. In Köln wurden am Samstagmittag 67 Zentimeter gemessen, zwei Zentimeter unter dem Rekord vom 23. Oktober 2018. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt nennt die frühe Zuspitzung ungewöhnlich: Laut Bundesanstalt für Gewässerkunde sind eigentlich Spätsommer und Herbst die klassischen Niedrigwasserzeiten.
Ein Drittel Ladung, dreifache Frachtrate
Um bei Kaub voll beladen zu fahren, brauchen Binnenschiffe rund 150 Zentimeter Pegel – ein Frachter benötigt mindestens 30 Zentimeter Wasser unter dem Kiel. Derzeit transportieren Schiffe nur ein Drittel bis die Hälfte ihrer Kapazität: Ein 3.000-Tonnen-Frachter bringt noch 800 bis 900 Tonnen. Entsprechend sind die Kleinwasserzuschläge explodiert. Eine Tankschiffladung von Rotterdam nach Karlsruhe kostete Ende Juni rund 45 Euro pro Tonne, inzwischen sind es 120 bis 125 Euro. Auch die Personenschifffahrt leidet: Die Köln-Düsseldorfer strich acht Linienfahrten und kann zehn Anlegestellen nicht anfahren.
Warum die Gewitter dieser Woche nichts bringen
Betroffen sind vor allem Chemie, Stahl, Mineralöl und Baustoffe – Branchen, die auf Getreide, Erze, Kohle und Ölprodukte per Schiff angewiesen sind. BASF bezifferte den Niedrigwasserschaden von 2018 auf 200 bis 250 Millionen Euro. IfW-Ökonom Stefan Kooths hält für das dritte Quartal einen Dämpfer von 0,1 bis 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für möglich, also ein bis zwei Milliarden Euro. Die kräftigen Gewitter am Dienstag und Mittwoch ändern daran wenig. Entspannung gibt es laut Gewässerkundlern erst, wenn großflächiger, langanhaltender Regen im gesamten Einzugsgebiet fällt – und der ist nicht in Sicht.