
Ein Hurrikan aus dem Pazifik hat Tausende Kilometer von seinem Entstehungsgebiet entfernt Geschichte geschrieben: In Lincoln im US-Bundesstaat Nebraska fielen an einem einzigen Tag rund 156 Liter Regen pro Quadratmeter - so viel wie noch nie seit Beginn der Messungen vor 139 Jahren. Straßen wurden zu Flüssen, Bäche erreichten nie gemessene Pegelstände. Und bei uns? Es bleibt mild, neblig und viel zu trocken.
Der nasseste Tag seit 139 Jahren
Am Flughafen von Lincoln registrierte der US-Wetterdienst NWS am Mittwoch 6,15 Zoll Regen, umgerechnet rund 156 Liter pro Quadratmeter. Der alte Allzeitrekord stammte vom 29. August 1910 und lag bei 138 Litern. Im Norden des Lancaster County wurden sogar über 250 Liter gemessen, in Omaha 120 Liter - dort der neuntnasseste Tag seit 1871. Der Großteil fiel in nur zwei bis drei Stunden in der Nacht zum Donnerstag. Der Little Salt Creek stieg auf einen Rekordpegel von gut 7,8 Metern und damit rund 1,2 Meter über den bisherigen Höchststand. Lancaster County rief den Katastrophenfall aus, Einsatzkräfte retteten in Lincoln mehr als ein Dutzend Menschen, die Nebraska State Patrol zählte 71 Hilfeleistungen.
Feuchte aus zwei Hurrikanen
Hinter der Flut steckt eine seltene Kombination. Die Reste von Hurrikan Polo, der zuvor über Mexiko hinweggezogen war, lieferten tropische Feuchte, dazu kam Feuchtigkeit des Pazifik-Hurrikans Rachel und warme Luft vom Golf von Mexiko. Ein Trog im Jetstream zog diese Feuchtefahne weit nach Norden, während eine kaum vorankommende Kaltfront die Gewitter immer wieder über dieselbe Spur laufen ließ - Meteorologen nennen das Training, weil die Zellen wie Waggons hintereinander herziehen. Dass ein tropischer Wirbelsturm aus dem Pazifik bis in die Prärie Nebraskas durchschlägt, ist außergewöhnlich. Nach Angaben des NWS galten Hochwasserwarnungen in acht Bundesstaaten, von Arizona bis Illinois lagen über 150 Millionen Menschen im Gefahrenbereich, in Kansas wurden zwei Tornados bestätigt.
Deutschland erlebt das Gegenteil
Während der Ostpazifik Wirbelsturm um Wirbelsturm produziert, hat sich im Atlantik nach Auswertung der US-Hurrikanbehörde NHC bis Anfang Oktober noch kein einziger Hurrikan gebildet - bei acht benannten Stürmen ein historisch einmaliger Befund. Uns fehlt damit auch der tropische Nachschub für kräftige Atlantiktiefs. Bei uns bestimmt Hochdruck das Geschehen: Am Freitag fällt im Allgäu und im südlichen Württemberg noch kräftiger Regen, danach wird es ruhig. Das Wochenende bringt nach zähem Frühnebel 17 bis 24 Grad, am Sonntagabend im Norden etwas Regen, am Montag an exponierten Küsten einzelne stürmische Böen. Ab Donnerstag wird es wechselhafter bei 15 bis 20 Grad. Ein Landregen, der die ausgetrockneten Böden spürbar auffüllt, ist weiter nicht in Sicht.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



