
Während Deutschland unter ruhigem Hochdruck im Nebel liegt, kommt Griechenland nicht zur Ruhe. Am Nationalfeiertag, dem 28. Oktober, gingen über dem Pilion-Gebirge und der Ferieninsel Skiathos heftige Gewitterregen nieder. Innerhalb weniger Stunden verwandelten sich Straßen in reißende Bäche, Schlamm und Geröll drangen in Häuser und Geschäfte ein. Es war bereits die zweite Unwetterwelle innerhalb weniger Tage.
Über 100 Liter in wenigen Stunden
Nach Messungen des Wetternetzes meteo.gr fielen bis Mittwochnachmittag in Portaria am Pilion 111,6 Liter pro Quadratmeter, in Zagora 104,4 und auf Skiathos 102,2 Liter. Am stärksten trafen die Wassermassen die Dörfer Platanias, Milina und Horto. Laut Michalis Mitzikos, dem Bürgermeister von Süd-Pelion, stand das Wasser stellenweise über zwei Meter hoch. Er sprach gegenüber dem Sender ERT von einer Naturkatastrophe, die zum Glück nur wenige Stunden gedauert habe. Auf Skiathos blockierten Erdrutsche mehrere Straßen. Die Polizei sperrte die Strecke bis zum Strand von Koukounaries, der Zivilschutz löste den Notruf-Alarm 112 aus und riet den Menschen, sich in höhere Stockwerke zu begeben.
Rote Warnungen für halb Griechenland
Der griechische Wetterdienst EMY hatte seine Vorhersage zuvor zu einem Notfall-Bulletin hochgestuft und für Mittwoch rote Warnungen für Magnesia und Larissa, die Sporaden, Euböa und den Dodekanes ausgegeben. Der Zivilschutz setzte neun Regionen vom 26. bis 29. Oktober auf die höchste Alarmstufe, darunter vorsorglich auch Attika, weil die Böden dort schon durchnässt waren. Am Sonntag und Montag hatten Gewitter bereits Straßen in Glyfada, Mandra und Koropi überflutet. Laut griechischen Medien fielen in Elliniko 104 und in Amoni bei Korinth 133 Liter pro Quadratmeter. Im Hafen von Piräus starben drei Mitglieder einer Familie, als ihr Auto ins Meer stürzte. Die Ursache wird noch ermittelt.
Warmes Meer als Treibstoff
Das Muster ist typisch für den Herbst im östlichen Mittelmeer. Das Meer ist nach dem Sommer noch warm und liefert reichlich Feuchtigkeit. Sobald kühlere Höhenluft hereinströmt, schießen kräftige Gewitter in die Höhe und laden sich wie an Pilion und Ostküste an den Bergen ab. Für Deutschland bleibt es vorerst ruhig mit Nebel, Hochnebel und leichtem Frost im Süden. Zu Allerheiligen erreicht uns dann ein Höhentief aus Osteuropa mit Regen im Südosten und Schnee in den Alpen bis gegen 1000 Meter. Unwetter wie in Griechenland erwarten wir dabei nicht.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



