Unwettertief über Adria und Italien: Medicane nicht ausgeschlossen

31. Oktober 2026·12:03 Uhr
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Unwettertief über Adria und Italien: Medicane nicht ausgeschlossen

Während in Deutschland zum Monatswechsel ruhiges Herbstwetter einkehrt, braut sich im Mittelmeer etwas zusammen. Ein abgeschnürter Kaltluftwirbel trifft auf ein noch bis zu 23 Grad warmes Meer. Von Sonntag bis Dienstag drohen in Italien, an der Adria und auf dem Balkan kräftige Gewitter, Starkregen mit örtlich deutlich über 100 Litern pro Quadratmeter und Sturmböen. Ob dabei sogar ein Medicane entsteht, ist noch offen.

Kaltluft aus dem Osten trifft auf warmes Meer

Es ist dieselbe Kaltluft, die zu Allerheiligen in den deutschen Alpen Schnee oberhalb von etwa 1000 Metern bringt. Über Italien schnürt sie sich zu einem eigenständigen Höhentief ab. Am Sonntagabend erwarten wir bei Rom in gut fünf Kilometern Höhe Temperaturen um minus 29 Grad. Der Gegensatz zum warmen Meer macht die Luft sehr labil. Am Montagabend bildet sich über Süditalien und dem Ionischen Meer ein Bodentief mit etwa 1003 Hektopascal. Wo genau der Kern liegt, berechnen die Wettermodelle noch unterschiedlich. Ob daraus ein Medicane wird, also ein Wirbelsturm mit tropischen Zügen, lässt sich deshalb noch nicht seriös sagen.

Wo Starkregen und Sturmböen drohen

Schon am Samstag ziehen zwischen der südlichen Adria und Griechenland Schauer und Gewitter durch. Am Sonntag erfasst die Unwetterlage auch Italien. Die italienische Luftwaffe, die dort den Wetterdienst betreibt, sieht das größte Gewitterrisiko in Kalabrien, an der Nordküste Siziliens, auf Sardinien und an der mittleren und südlichen Adria. Amtliche Warnungen dafür stehen noch aus. Bis Dienstagabend sind an der südlichen Adria, in Westgriechenland und auf dem südlichen Balkan über 100, örtlich bis 190 Liter pro Quadratmeter möglich, auch um Thessaloniki kann es über 100 Liter geben. Am Montagabend frischt der Wind auf: Wir erwarten Böen von 60 bis 80 km/h, an der nördlichen Adria und in Nordkroatien sind auch Spitzen um 100 km/h möglich.

Was Urlauber jetzt beachten sollten

Wer Herbsturlaub in Italien, Kroatien oder Griechenland macht, sollte die örtlichen Warnungen der Behörden im Blick behalten. Bei Gewittern kann in kurzer Zeit so viel Regen fallen, dass Straßen, Unterführungen und Keller überfluten, in Hanglagen drohen Erdrutsche. Trockene Flussbetten sollte man meiden. Fähren und Ausflugsboote können wegen Wind und Seegang ausfallen. Eine Entwarnung gibt es danach nicht: Ab Mitte der Woche könnte sich ein neues Höhentief zwischen den Balearen, Korsika und Südfrankreich festsetzen. In Deutschland bleibt es dagegen bei einer meist trockenen Ostlage mit Hochnebel und leichtem Nachtfrost.

Johannes Graf
Über den Autor

Johannes Graf

B. Sc. Meteorologie

Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei Q.met.

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