Johannes Graf
Was steckt hinter der „gefühlten Temperatur“?
Wenn im Wetterbericht von der „gefühlten Temperatur" die Rede ist, sorgt das oft für Verwunderung. Schließlich zeigt das Thermometer doch eine klare Zahl an. Warum fühlt sich ein Wintertag mit fünf Grad manchmal deutlich kälter an, während 30 Grad im Sommer an manchen Tagen kaum auszuhalten sind?
Der Grund liegt darin, dass unser Körper Temperatur nicht allein über die Lufttemperatur wahrnimmt. Entscheidend ist vielmehr, wie schnell der Körper Wärme an seine Umgebung abgibt oder aufnimmt. Dabei spielen vor allem Wind und Luftfeuchtigkeit eine wichtige Rolle.
Im Winter ist der sogenannte Windchill-Effekt entscheidend. Weht ein kräftiger Wind, wird die dünne warme Luftschicht, die sich normalerweise direkt über der Haut bildet, ständig weggeblasen. Der Körper verliert dadurch schneller Wärme. Die Folge: Es fühlt sich deutlich kälter an, als es das Thermometer vermuten lässt. So können fünf Grad bei starkem Wind schnell wie Temperaturen unter dem Gefrierpunkt wirken.
Im Sommer tritt dagegen ein anderer Effekt in den Vordergrund. Bei hohen Temperaturen versucht der Körper, sich durch Schwitzen zu kühlen. Verdunstet der Schweiß auf der Haut, entsteht ein kühlender Effekt. Ist die Luft jedoch sehr feucht, funktioniert diese Verdunstung deutlich schlechter. Der Körper kann sich nicht mehr effizient abkühlen, und die Hitze wird als besonders belastend empfunden. Meteorologen sprechen hier vom Hitzeindex.
Die gefühlte Temperatur berücksichtigt daher neben der Lufttemperatur auch Faktoren wie Windgeschwindigkeit und teilweise die Luftfeuchtigkeit. Sie beschreibt also, wie stark Hitze oder Kälte tatsächlich auf den menschlichen Körper wirken.
Gerade bei Wetterwarnungen spielt diese Größe eine wichtige Rolle. Denn für den Menschen ist nicht allein entscheidend, was das Thermometer anzeigt – sondern wie sich das Wetter tatsächlich anfühlt. Ein eisiger Wind kann einen eigentlich moderaten Wintertag sehr unangenehm machen, während hohe Luftfeuchtigkeit im Sommer eine Hitzewelle zusätzlich verstärkt.