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Saisonmodelle für Deutschland: mild und nass, Polarwirbel wackelt

08. September 2026·16:17 Uhr
2 Min. Lesezeit
KlimatrendWettertrend
Saisonmodelle für Deutschland: mild und nass, Polarwirbel wackelt

Im Pazifik wächst ein El Niño heran, wie ihn die Messreihen seit 1950 nicht kennen. Die NOAA gibt einem historischen Rekordereignis im Herbst 69 Prozent Wahrscheinlichkeit, die WMO hält die Fortdauer bis Februar 2027 für nahezu sicher. Für Deutschland ist damit wenig entschieden: Die Saisonmodelle zeigen einen milden, nassen Winter - und gleichzeitig ein wackelndes Polarwirbel-Signal.

Der Pazifik läuft heiß

Die Zahlen sind ungewöhnlich deutlich. Im Juli lag der Niño-3.4-Index nach WMO-Angaben rund 2,0 Grad über dem Normalwert, zwischen Ende Juli und Mitte August wurden Wochenwerte von 2,2 bis 2,6 Grad erreicht. Unter der Meeresoberfläche fanden sich stellenweise Abweichungen von mehr als 8 Grad - der Brennstoff für die weitere Verstärkung. Die NOAA gibt in ihrem El-Niño-Advisory über 90 Prozent Wahrscheinlichkeit für ein sehr starkes Ereignis und für Oktober bis Dezember 69 Prozent für einen Wert über 2,5 Grad. Das würde jeden El Niño seit 1950 übertreffen.

Für Europa nur ein indirektes Signal

Wer daraus einen Eiswinter ableitet, überzieht. Der Deutsche Wetterdienst weist darauf hin, dass die Auswirkungen eines starken El Niño in Europa deutlich schwächer ausfallen als in anderen Weltregionen und vor allem indirekt über Telekonnektionen wirken. Richtig ist aber auch: Ein kräftiges Ereignis kann die Wahrscheinlichkeit für Störungen des stratosphärischen Polarwirbels und für eine negative NAO erhöhen. Eine Studie von Polvani und Kollegen im Journal of Climate (2017) fand plötzliche Stratosphärenerwärmungen in El-Niño-Wintern rund 30 Prozent häufiger als in La-Niña-Wintern.

Was die Modelle für den Winter zeigen

Die Saisonläufe von August zeichnen für Dezember bis Februar ein anderes Bild: kräftige Westströmung, milde und überdurchschnittlich nasse Verhältnisse in West- und Mitteleuropa, verlässlicher Schnee erst oberhalb von etwa 1800 bis 2000 Metern. Gleichzeitig deuten das europäische und das britische Modell eine ungewöhnliche Abschwächung der stratosphärischen Westwinde um den Jahreswechsel an. Ob daraus eine echte Polarwirbelstörung wird, ist auf diese Distanz offen. Bis dahin bleibt es spätsommerlich: Ab Mittwoch kühlt es auf 17 bis 22 Grad ab, am Alpenrand regnet es länger, ab dem Wochenende sind wieder 20 bis 26 Grad drin.

Dominik Jung
Über den Autor

Dominik Jung

Diplom-Meteorologe

Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.

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