Während sich im tropischen Pazifik ein möglicher starker El Niño aufbaut, richtet sich der Blick in Europa zunehmend auf die möglichen Folgen vor der eigenen Haustür. Auch wenn das Phänomen tausende Kilometer entfernt entsteht, kann es das Wettergeschehen über dem Atlantik und damit auch in Europa spürbar beeinflussen.
Aktuelle Prognosen deuten darauf hin, dass sich ab Sommer 2026 ein kräftiger El Niño entwickeln könnte – mit einem möglichen Höhepunkt im Winter 2026/27. Für Europa bedeutet das vor allem eines: mehr Dynamik in der Atmosphäre.
Ein starker El Niño kann die Zirkulation über dem Nordatlantik verändern und Tiefdruckgebiete begünstigen. Die Folge: wechselhafteres, oft deutlich feuchteres Wetter in weiten Teilen West- und Mitteleuropas. Länder wie Spanien, Frankreich, Deutschland, die Benelux-Staaten und die Britischen Inseln könnten häufiger unter dem Einfluss kräftiger Tiefdrucksysteme stehen.
„Wir sehen einen außergewöhnlich engen Konsens aller Wettermodelle", erklärt ein Sprecher der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). „Ab Mai wird mit einem sprunghaften Anstieg der Meerestemperaturen gerechnet."
Damit steigt auch das Risiko für intensiven Dauerregen, Starkregenereignisse und Stürme. Flüsse könnten schneller anschwellen, Böden stärker gesättigt sein – ideale Bedingungen für Hochwasserlagen. Gleichzeitig erhöht eine aktivere Sturmtätigkeit die Gefahr von Schäden durch Orkanböen, umstürzende Bäume und beschädigte Infrastruktur.
Besonders relevant: Solche Wetterlagen treffen auf ein bereits durch den Klimawandel belastetes System. Wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern – was Niederschläge zusätzlich verstärken kann. El Niño wirkt dabei nicht als alleinige Ursache, sondern als Verstärker bestehender Risiken.
Die möglichen Folgen sind nicht nur meteorologisch, sondern auch wirtschaftlich spürbar. Versicherer und Behörden rechnen in solchen Szenarien mit steigenden wetterbedingten Schäden – etwa durch Überschwemmungen, Sturmschäden oder Erdrutsche.
Trotz aller Hinweise gilt: Noch bestehen Unsicherheiten, insbesondere aufgrund der sogenannten Frühjahrsvorhersage-Barriere. Doch der Trend ist eindeutig genug, um aufmerksam zu werden.
Europa könnte vor einem unruhigen Wetterjahr stehen – mit mehr Unwettern, mehr Regen und einem deutlich erhöhten Schadenspotenzial.