Aktuell befinden wir uns in Mitteleuropa bereits tief im Vollfrühling. Oder doch nicht? Die Blumen blühen immer zahlreicher, und nach und nach werden auch die Wälder nun wieder grün. Doch dies geschieht nicht in jedem Jahr exakt zur gleichen Zeit, denn die Witterung in den ersten Monaten des Jahres ist sehr entscheidend dafür, wann die Vegetationsperiode anfängt.
„Grünlandtemperatur" als besonderer Messwert für Vegetation
Dies ist keine „fühlbare" Temperatur, sondern ein aufsummierter Wert der durchschnittlichen Temperaturen eines bestimmten Zeitraums. Um den Beginn der Vegetationsperiode – der mit dem Einsetzen des Wachstums der Gräser auf Wiesen und Weiden einhergeht – zu markieren, muss ein Wert von 200 überschritten werden.
Hierbei wird ab dem 1. Januar gemessen: Es werden jeweils alle positiven Tagesmittel gezählt, also nur die Werte von Tagen, an denen die Mitteltemperatur zwischen Tag und Nacht über null Grad liegt. Diese werden im Januar mit 0,5 multipliziert, im Februar mit 0,75. Ab März zählen dann die vollen Werte, also Faktor 1. Dies macht man, da einzelne sehr milde Wetterphasen im tiefen Winter weniger Einfluss auf die Natur haben als Wärmeperioden im nahenden Frühjahr, da die Winterruhe hier noch länger andauert und die Sonne im Frühling bereits deutlich höher steht und – unabhängig von der Lufttemperatur – mehr Energie abgibt.
Ein kleines Beispiel
Wenn in Karlsruhe im Januar insgesamt 25 Tage ein Temperaturmittel von über null Grad erreichen und der Durchschnitt davon 4 Grad beträgt, ergibt sich für den Januar ein Wert von 50 (25 × 4 × 0,5).
Im Februar liegen ebenfalls 25 Tage im Mittel über dem Gefrierpunkt. Im Schnitt betragen die Tagesmittelwerte nun schon 6 Grad. Daher kommen bereits 112,5 Zähler hinzu (25 × 6 × 0,75).
Im März gibt es aufgrund einer außergewöhnlich warmen Wetterphase zu Beginn in der ersten Woche jeden Tag ein Tagesmittel von 12 Grad. Um die 200 zu erreichen, muss nun also lediglich der „Rest" aufgefüllt werden. Hierbei werden die Werte von Januar und Februar zusammengerechnet, was 162,5 ergibt. Es fehlen also noch 37,5 Grad aufsummiert, die bei einem Tagesmittel von 12 Grad im März bereits nach vier Tagen überschritten werden.
Der Beginn der Vegetationsperiode in Karlsruhe ist somit am 4. März.
Für den Beginn des Vollfrühlings, wenn die Bäume in den Wäldern grün werden, gilt übrigens ein Richtwert von 600. Dieser wird in den meisten Regionen in der zweiten Aprilhälfte erreicht.
Die Grünlandtemperatur ist besonders für die Landwirtschaft entscheidend, da hiermit die Zeitpunkte für die Aussaat und Düngung ermittelt werden können. Auch der Zeitpunkt der ersten Ernte kann damit annähernd vorhergesagt werden. Was anhand dieses Parameters allerdings nicht berücksichtigt wird, sind eventuelle Spätfröste im Frühjahr. Ein frühes Erreichen der Schwellenwerte bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass frostempfindliche Gewächse auch früher ins Freiland dürfen.