
Kein Hurrikan, kein Tropensturm – und trotzdem steht an Floridas Ostküste das Wasser autohoch in den Straßen. In Brevard County rund um Palm Bay sind seit Sonntag örtlich mehr als 350 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Schulen bleiben geschlossen, wichtige Straßen sind gesperrt, und bis zum Wahltag am Dienstag kann noch einiges dazukommen.
Über 300 Liter rund um Palm Bay
Am schlimmsten traf es das Gebiet um Palm Bay und Grant-Valkaria südlich von Cape Canaveral. Nach Angaben des US-Wetterdienstes NWS in Melbourne kamen dort 12 bis 13 Zoll zusammen, also rund 300 bis 330 Liter pro Quadratmeter, einzelne Messer zeigten sogar 14 bis 15 Zoll, bis etwa 380 Liter. In West Melbourne fiel inoffiziell fast ein Drittel Meter Regen binnen 24 Stunden. Auch am Lake Okeechobee wurden am Sonntag 125 bis 175 Liter gemessen. Der NWS sprach für Brevard von einer „extrem gefährlichen und lebensbedrohlichen Lage“ und riet, nur bei Evakuierung oder Flucht vor dem Wasser ins Auto zu steigen.
Gesperrte Straßen, überlastete Kanäle
Die Schulen in Brevard und im Okeechobee County blieben am Montag zu, im Glades County ist die SR 78 seit Sonntag in beide Richtungen gesperrt, in Brevard auch die U.S. 192 vor der I-95. Cocoa Beach meldete ein überlastetes Abwassersystem und bat ums Wassersparen. Auf der Patrick Space Force Base stand das Wasser stellenweise bis zur Autotür, das Kennedy Space Center schickte Beschäftigte ins Homeoffice. Für Teile der Counties Indian River, St. Lucie und Martin galt eine Sturzflutwarnung. Dazu kamen Böen um 80 km/h, bis zu 4,5 Meter hohe Wellen und Küstenüberflutungen. Miami zählt laut dem Meteorologen Brian McNoldy (University of Miami) in diesem Jahr bereits 15 Tage mit mäßiger Küstenüberflutung, der bisherige Rekord lag bei neun.
Am Wahltag noch nass, danach Entspannung
Ursache ist ein Tief über den Bahamas, das zusammen mit einem kräftigen Hoch über dem Mittelatlantik seit Tagen feuchte Meeresluft gegen die Küste drückt. Hohe Pegel in Lagunen, Flüssen und im Grundwasser verhindern, dass das Wasser abläuft. Bis Dienstag sind laut NWS weitere 25 bis 75 Liter möglich, wo Gewitter stehen bleiben, örtlich über 200 Liter in wenigen Stunden. Am Wahltag ziehen noch Schauer durch, ab Mittwoch wird es trockener. Das Hurrikanzentrum NHC sieht nur eine geringe Chance, dass sich das Tief später über dem Atlantik subtropisch entwickelt. In Deutschland bleibt es dagegen ruhig: Der DWD warnt in der Mitte und im Süden vor dichtem Nebel und leichtem Frost bis -3 Grad, ergiebiger Regen ist nicht in Sicht.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



